Gekonntes Verwirrspiel

Das Jugendensemble des Rottenburger Theaters am Torbogen brachte José António de Souzas Komödie „Delikate Verbrechen“ auf die Bühne.

26.10.2021
Von Jana Breuling

Rottenburg, Theater am Torbogen: 

Wie lässt sich wieder Pepp in den schnöden Alltag einer eingefahrenen Beziehung bringen? Hugo und Lila, ein junges, großbürgerliches und entsetzlich gelangweiltes Paar hat da eine Idee: Sie wollen einen Mord an ihrer Hausangestellten begehen. Das ist die Grundidee in „Crimes Delicados“ (Delikate Verbrechen), ein Stück des renommierten brasilianischen Autors Jose Antonio de Souza. Konzipiert hat er es für drei Darsteller, doch arbeiteten die Regisseurinnen Katharina Schlegel und Hannah Sophia Küpper mit fünf Schauspielerinnen und Schauspielern des theatereigenen Jugendensembles, indem sie einen raffinierten Rollenwechsel einbauten.

So überzeugten im ersten Teil zunächst Nicolina Sabljic als kaltblütige Lila und Jared Mayer als ihr Ehemann und Mordkomplize Hugo. Die funkelnden Ringe steckte Lila über ihre Gummihandschuhe, während sie mit der Wimpernzange vor einem imaginären Spiegel ihr Äußeres perfektionierte und ihren gesellschaftlichen Status als feine, wohlhabende Großbürgerin demonstrierte.

Allseitige Verwirrung inmitten alltäglicher Schlagzeilen auf der Bühne des Torbogen-Theaters: Lila (Ima Machinek, links) und Hugo (Matea Müller) fassen es nicht, dass die anscheinend ermordete Hausangestellte Efigênia (Lisa Schmidberger, Mitte) wieder am Leben ist. Bild: Jana Breuling 

 

Schlichtes Bühnenbild

Olga Hofmann, die für die Kostüme zuständig war, setzte auf minimalistische Ausstattung. Thomas Mnichs raffiniertes Bühnenbild, das aus einem mit Zeitungsartikel tapezierten Raum bestand, harmonierte mit Hofmanns Requisitenwahl, wie mit der boulevardesken Inszenierung. Mit ihrem ausgezeichneten Schauspiel und den treffsicheren Dialogen fesselten Sabljic und Mayer die rund 25 Zuschauerinnen und Zuschauer.

Eifrig stürzte sich das Ehepaar in die Vorbereitungen, plante das perfekte Verbrechen, indem es sich die grausamen Einzelheiten der Tat und ihrer Folgen detailliert ausmalte – bis hin zum polizeilichen Verhör. Der Mord selbst war nicht auf der Bühne zu sehen. Das Ehepaar verschwand mit der Haushälterin Efigenia (Lisa Schmidberger) zu einem Ausflug – und kam ohne sie zurück, um auf die Polizei zu warten. Lila spielte mit Hugo das Verhör durch, bis schließlich beide panisch wurden und in wachsender Verzweiflung aneinander gerieten.

Und just in dieser aufgeheizten Situation übernahm die zweite Besetzung: Ima Machinek schlüpfte in die Rolle der vermeintlichen Mörderin Lila und Matea Müller spielte den listigen Hugo. Zugleich tauchte plötzlich die tote Hausangestellte wieder auf und sorgte für Verwirrung auf der Bühne und im Publikum. Hatte es womöglich gar keinen Mord gegeben? Hatte sich das Paar die Tat nur eingebildet?

Also unternahmen Lila und Hugo einen zweiten Versuch, der nun offensichtlich gelang. Zumindest schien das ein eingespieltes Video zu suggerieren, in dem eine Nachrichtensprecherin von dem Mord berichtete.

Und plötzlich standen da wieder alle Darstellerinnen und Darsteller erneut auf der Bühne, so dass die Frage offen blieb, ob nun der zweite Mordversuch vielleicht nicht auch nur Einbildung war.

Das Publikum applaudierte – und blieb anschließend erstmal gespannt im dunklen Raum sitzen. Vielleicht kam da ja noch etwas. Nein, musste Intendantin Anne-Kathrin Klatt schließlich klar machen. Mehr kommt da nicht. Mit einer weiteren Überraschung sei in diesem wendungsreichen Stück nicht zu rechnen. Ein gekonnt inszeniertes, so spannendes, wie unterhaltsames Verwirrspiel hat das Jugendensemble des Theater am Torbogens da auf die Bühne gebracht.